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Exhibition Review: Pierre Cardin – Pursuit of the Future

Wenn es um die Mode der 1960er geht, dann darf ein Designer nicht unerwähnt bleiben; Pierre Cardin. Der Franzose hat diese Dekade, neben Paco Rabanne und André Courrèges, mit seinen futuristischen Entwürfen maßgeblich geprägt und einen enormen Beitrag zu der Entwicklung der Konfektionsmode geleistet. Ohne seine Vorarbeit wäre die heutige Mode nicht so, wie wir sie kennen und dies ist Grund genug, den Couturier und seine Werke mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

“… fashion has to be tomorrow …” – Pierre Cardin

Pierre Cardin: Über den Designer

Pierre Cardin wurde am 02. Juli 1922 als Jüngstes von sieben Kindern in Italien geboren und bereits in seiner Jugend wurde deutlich, dass er in der Modewelt zu Hause ist. Mit 14 Jahren setzte sich der Couturier, während einer Lehre bei einem Kleidermacher, erstmals mit dem Design und der Konstruktion von Kleidung auseinander und kreierte Kleider und Kostüme für Frauen.
Im Jahre 1944 verschlug es ihn nach Paris und dies war schließlich auch der Startschuss für seine mehr als erfolgreiche und noch immer anhaltende Karriere. Anfangs arbeitete er als Modezeichner im Haus Paquin, doch bereits nach zwei Jahre führte ihn sein Weg zu der Designerin Elsa Schiaparelli, der Erfinderin des Shocking Pinks. Gleichzeitig entwarf er auch die Kostüme für Jean Cocteaus Film ‚La Belle et la Bête‘ (dt. ‚Die Schöne und das Biest‘). Allerdings machte Cardin auch dort nicht sehr lange Halt und bewarb sich schließlich bei dem Meister der architektonischen Mode; Cristóbal Balenciaga. Dort bekam er allerdings keine Anstellung, weshalb er 1947 bei keinem Geringeren als Christian Dior anfing und dort an den Entwürfen des weltberühmten ‚New Looks‘ arbeitete.
Drei Jahre später war es schließlich so weit und der Couturier gründete sein eigenes Label. Da er sich bereits während seiner Zeit bei Paquin, Schiaparelli und Dior einen Namen gemacht hat und Christian Dior den Kunden, für deren Aufträge er keine Zeit aufbringen konnte, Pierre Cardin empfahl, gelang ihm der Start in die Modebranche ohne Komplikationen. Daher konnte er sich 1953 dann auch schon zu dem elitären Kreis der Haute Couture-Designer zählen. Im Laufe seiner Karriere standen allerdings nicht seine Linien der gehobenen Schneiderkunst im Fokus, vielmehr erlangte Cardin internationale Bekanntheit für die Etablierung hochwertiger Konfektionsmode, die er der breiten Bevölkerung zugänglich machte und genau dieses zukunftsorientierte Konzept spiegelt sich schließlich auch in seinen Designs wider.

“I believe first in shape, architecture, the geometry of a dress!” – Pierre Cardin

Sein Stil: Futurismus x Avantgarde

Blickt man auf das 20. Jahrhundert zurück, fällt besonders in den Goldenen Zwanzigern, den 50er Jahren und auch in den 1960ern ein extremer Silhouetten-Wandel auf. Nachdem in den 1950ern, im Zuge des ‚New Looks‘ die sehr femininen Kostüme und Kleider mit einer Wespentaille und weit ausgestellten Röcken en vogue waren, hätte der Stil in der darauf folgenden Dekade nicht entgegengesetzter sein können und genau diesen Stil prägte Pierre Cardin, wie kaum ein anderer. Seine Entwürfe waren von geometrischen Formen und Mustern geprägt, die die weibliche Silhouette neu interpretierten und sie nicht zu einer klassischen Sanduhr formten, sondern die femininen Rundungen oftmals versteckten oder ganz im Gegenteil, auf extremen Weise erweiterten.
Doch nicht nur die Schnitte der Kreationen des 97-Jährigen hatten etwas Futuristisches an sich und waren Aushängeschild der Space Age-Ära, die nicht nur die Mode der 1960er, sondern die gesamte Gesellschaft beeinflusste, auch sein Konzept von Konfektionsmode, die Wahl synthetischer Materialien und das Nutzen seines Namens für Lizenzgeschäfte hatte man in der Modebranche bis dato noch nie in diesem Ausmaß erlebt. So haben ihn sein Sinn für Trends, die die breite Masse ansprechen, und vor allem sein Gespür für innovative Geschäfte zu einem der wichtigsten Couturiers der zweiten Hälfte des 20. und des ersten Drittels des 21. Jahrhunderts gemacht. 

„Aber ich bin doch immer noch der einzige Innovative auf der ganzen Welt! Alle kopieren mich. Ich demokratisiere, die anderen banalisieren. Alle machen jetzt das, was ich vor 40, 50 Jahren schon gemacht habe. Aber es gibt einen großen Unterschied: Die Marke »Pierre Cardin« gehört allein mir. Ich bin der einzige Modeschöpfer, der die Rechte an seiner Marke nicht verkauft hat.“ – Pierre Cardin, 2007

Über die Ausstellung und das SCAD Museum

Neben dem Victoria & Albert Museum in London und dem Fashion Institute of Technology in New York City hat sich in den vergangenen Jahren das Museum des Savannah Collage of Art and Design in Atlanta zu einem Must-see für spektakuläre Modeausstellungen entwickelt. Dieses in Deutschland (und ich vermute auch in Europa) noch recht unbekannte Museum hat bereits Ausstellungen über die Kreationen von Caroline Herrera, die textilen Kunstwerke von Guo Pei und nun auch über die futuristischen Designs und das Leben von Pierre Cardin konzipiert, und braucht sich damit in keinster Weise hinter den großen Museen verstecken.
Auch wenn der Ausstellungsräumlichkeiten deutlich kleiner ausfallen, als die des V&A’s oder FIT’s, schaffen es Raf Gomes, Kurator des Museums, und die Studierenden des SCAD jedes Mal aufs Neue, eine ganz eigene Welt zu gestalten, die die Entwürfe der Designer perfekt in Szene setzt. Nachdem die Kreationen der chinesischen Designerin Guo Pei zwischen märchenhaften Spiegeln, kunstvollen Kronleuchtern und romantischen Wandbildern arrangiert wurden, hätte der Ausstellungsraum für die Präsentation von Pierre Cardin Werken nicht gegensätzlicher sein können. Die blasen-ähnlichen Installationen sollten an seinen berühmten ‚Palais Bulles‘ (dt. Blasen-Palast) in der Nähe von Cannes erinnern und griffen gleichzeitig die futuristischen Züge, die geometrischen Formen und die Dreidimensionalität der nahezu 70 ausgestellten Entwürfe auf, sodass ein harmonisches Gesamtbild entstand. 

Anscheinend gibt es (noch?) keinen Ausstellungskatalog für ‚Pierre Cardin: Pursuit of the Future‘, doch wer etwas mehr über einen der letzten lebenden und wirklich wegweisenden Couturiers erfahren möchte, kann zum Beispiel in der Biografie ‚Pierre Cardin‚ oder speziell in dem Kapitel zu Pierre Cardin in Suzy Menkes ‚Fashion Designers A-Z‚ noch mehr Informationen zum Designer, seinem Leben und seinem Stil nachlesen.

Photos by: Ulrich Ratsch

3 Comments

  • Pia E.

    Ich LIEBE, LIEBE, LIEBE die Mode von Pierre Cardin! Ich habe einige Kleider davon in meinem Schrank hängen und trage sie immer zu besonderen Anlässen!
    Danke für diesen schönen Artikel, ich habe noch einiges gelernt.

    Liebe Grüße,
    Pia

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