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Exhibition Review: ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘ im Goethe Museum

Wenn ihr an Johann Wolfgang von Gehe denkt, was kommt euch da als erstes in den Sinn? ‚Faust‘, ‚Die Leiden des jungen Werther‘ oder ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘? Dies sind wohl die typischen Lektüren, von denen man mindestens eine während seiner Schulzeit lesen „musste“. Doch einer der bedeutendsten Dichter in der deutschsprachigen Literaturgeschichte war noch so viel mehr. Er hat sich, ähnlich wie auch Leonardo da Vinci, intensiv mit der Naturforschung auseinandergesetzt und auch einige, nicht ganz unbekannte Werke dazu veröffentlich. Neben der bekannten Schrift ‚Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären‘ aus dem Jahre 1790, publizierte er 20 Jahre später seine ‚Farbenlehre‘, welche im Kontrast zu den anerkannten Beobachtungen Isaac Newtons stand. Auch wenn Goethes Ansichten kontrovers waren und von vielen Kritikern verurteilt wurden, so lässt sich aus der künstlerischer Perspektive nicht leugnen, dass die Zeichnungen der Farbenlehre stark an die Designs die Ära des Bauhaus‘ erinnern. Geometrische Figuren und satte Farben, welche nicht danach aussehen, als würden sie aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts stammen.
Doch was hat dies nun alles mit Mode zu tun? Im ersten Moment zwar nicht ganz so viel, doch wenn man sich die vergangene Herbst/Winter 2019/20-Kollektion des Modehauses AKRIS genauer anschaut, dann dürfte die Verbindung zwischen Goethes Farbenlehre und den Kreationen von Albert Kriemler schnell klar werden. Und genau diese Verbindung versucht das Goethe Museum in Düsseldorf mit der Ausstellung ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘ zu veranschaulichen.

Über das Modehaus AKRIS

Doch bevor es um die Ausstellung ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘ geht, blicken wir erst einmal genauer zum Modehaus AKRIS, welches von Alice Kriemler-Schoch im Jahre 1922 in St. Gallen in der Schweiz gegründet wurde. Nachdem  ihr Sohn Max Kriemler und seine Frau die Leitung des Familienunternehmens übernahmen, folgte 1980 deren Sohn Albert, der die kreative Leitung des Labels übernommen hat, während sich ein Bruder Peter der Geschäftsführung widmet. So ist AKRIS bis heute eines der wenigen Modehäuser, welches familiengeführt wird.
Was die modische Seite des Labels angeht, so ist das Schweizer Modehaus für seine klaren und zeitlosen Schnitte und perfekten Passformen bekannt, welche von modernen und selbstbewussten Frauen getragen werden. Seit 1999 gehört AKRIS schließlich als eines der wenigen nicht-französischen Brands zur ‚Fédération française de la couture, du prêt-à-porter des couturiers et des créateurs de mode‘ und hat bereits Kollektionen auf den Fashion Weeks in New York und Paris vorgestellt.
Neben den herkömmlichen Kollektionen hat Albert Kriemler allerdings auch schon das eine oder andere Mal Kostüme für das Hamburger Ballett kreiert und kooperiert auch gerne mal mit Künstlern wie Geta Brātescu oder Thomas Ruff. Kein Wunder also, dass er und das Modehaus AKRIS mit zahlreichen Auszeichnungen wie dem „Grand Prix Design“ des Schweizer Bundesamt für Kultur oder den „Silver Clipper Award“ für Kreativität des Museums of Fine Arts in Houston belohnt wurden.

Über die ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘-Ausstellung im Goethe Museum

Die Ausstellung ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘ im Goethe Museum Düsseldorf, welche von Kuratorin Barbara Steingießer konzipiert wurde, widmet sich allerdings nicht der Geschichte AKRIS, sondern eher der Herbst/Winter-Kollektion 2019/20 des Modehauses, welche einige Elemente von Goethes ‚Farbenlehre‘ aufgreift. Genauer genommen lässt sich Kriemler von drei Farbtafeln inspirieren und kreiert Kleider, Blusen, Hosen, Mäntel und Taschen, welche jeweils mit ‚Colorama‘-, ‚Kaleidoscope‘- und ‚Ponoply‘-Drucken versehen sind. Dieses Zusammenspiel aus Mode und Naturwissenschaft wird in den Räumen des Goethe Museums in Düsseldorf veranschaulicht und, indem über zehn Designs der Kollektionen zwischen vergrößerten Ausgaben der Farbtafeln, in denen sich die Drucke der Kleidungsstücke wiederfinden, präsentiert werden. 

„Mein Ziel ist bei jeder dieser Übersetzungen, dass die Integrität des Kunstwerks gewahrt ist und zugleich das Kleidungsstück so natürlich und selbstverständlich wirkt, als wäre das Design ausschließlich für diesen Anzug oder diesen Mantel, dieses Kleid oder diese Bluse entstanden. Dabei ist es über 200 Jahre alt.“ – Albert Kriemler

Dieses Zitat des Designers bringt die Aussage der Ausstellung auf den Punkt. Das Goethe Museum zeigt, dass Mode und Wissenschaft nicht zwei komplett unterschiedliche Welten sind, sondern vielmehr zwei Bereiche sind, die sich gegenseitig ergänzen können. Auch wenn Goethe, der selbst als modeinteressierter Trendsetter seiner Zeit galt (da wäre beispielsweise die ikonische Werther-Tracht), zu Lebzeiten garantiert nicht die Absicht hatte, die Modewelt mit seiner ‚Farbenlehre‘ zu beeinflussen, so ist es allerdings auch kein Wunder, dass sich früher oder später ein Couturier von diesen naturwissenschaftlichen Designs hat inspirieren lassen. In ihrer Erscheinung könnten sie nämlich futuristischer nicht sein und in Form von Frauenkleidung repräsentieren sie ein Sinnbild für die moderne Frau des 21. Jahrhunderts – obwohl sie aus dem 19. Jahrhundert stammen. Vergangenheit meets Moderne – Wissenschaft meets Kunst!

Goethe Museum in Düsseldorf: SO nett sind die Mitarbeiter

Nun noch eine kleine Story am Rande; Als ich am 07. November das Goethe Museum in Düsseldorf betrat und mich nach der Ausstellung erkundigt habe, wurde mir gesagt, dass diese aufgrund der Veranstaltung „düsselGOLD“, bei der Schmuckdesigner aus Düsseldorf Schmuckstücke, welche in Verbindung mit Goethe stehen präsentieren, pausiert. Nachdem die Mitarbeiter allerdings mitbekommen haben, dass ich extra für die Ausstellung drei Stunden mit dem Zug angereist bin, haben sie mir nicht nur einen Ausstellungskatalog, welchen man für circa 12 Euro im Museum kaufen kann, geschenkt, sie haben mir auch einen Blick in den Lagerraum gewährt, in dem die Puppen mit den Kreationen von AKRIS standen. Hier noch einmal ein großes Dankeschön an das gesamte Team des Museums.
Ab heute, den 12. November, bis einschließlich 24. November 2019 könnt ihr die Ausstellung ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘ nun noch besuchen, und für diejenigen, die es leider nicht mehr nach Düsseldorf schaffen, folgen nun einige Impressionen und Kollagen der Kreationen AKRIS‘ und der jeweiligen Tafeln von Goethes ‚Farbenlehre‘.

Rechts: Wendbarer Ponoply-Print-Woll-Doubleface-Mantel mit Ponoply-Print-Bluse aus Seidencrêpe von AKRIS
Links oben: Details der Ponoply-Print-Bluse
Links unten: Tafel Nr. 1 aus dem Supplementband zu Goethes ‚Farbenlehre‘ (1810)

Bodenlanges Ponoply-Print-Kapuzenkleid aus Seidengeorgette mit Details von Goethes Tafel Nr. 1 der ‚Farbenlehre‘ von AKRIS
Rechts: Colorama-Print Seidengeorgette-Bluse mit Ruckendekolleté zu hochgeschnittener weiter Hose von AKRIS
Links oben:Tafel Nr. 3 aus dem Supplementband zu Goethes ‚Farbenlehre‘ (1810)
Seiden-Crêpe-Kleid mit Colorama-Druck von AKRIS
Diverse Kleidungsstücke und Accessoires aus der Colorama-Kollektion von AKRIS
Linke Puppe: Colorama-Print Woll-Doubleface-Jacket und Hose mit weitem Bein aus Seidencrêpe von AKRIS
Rechte Puppe: Colorama-Print Tunika-Bluse und seitlich geschlitzter Rock aus Seidencrêpe von AKRIS
Links: Grafisches Motiv aus der Ausstellung ‚Farbenlehre for Fashion! AKRIS & Goethe‘
Mitte: Wendbarer Kaleidoscope-Print-Doubleface-Mantel, Cashmere-Jersey-Jacket, Hoodie und Kleid von AKRIS
Rechts:Tafel Nr. 2 aus dem Supplementband zu Goethes ‚Farbenlehre‘ (1810)

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